Der ICOM-Codex
Ein neuer Maßstab für Museen weltweit
Museen sind weit mehr als Orte des Sammelns und Bewahrens. Sie tragen Verantwortung für das kulturelle Erbe, fördern den gesellschaftlichen Dialog und schaffen Vertrauen in den Umgang mit Geschichte und Kultur. Umso bedeutender ist die jüngste Überarbeitung des ICOM Code of Ethics for Museums, der nun offiziell verabschiedet wurde.
Im Rahmen der 41. Ordentlichen Generalversammlung des Internationalen Museumsrates (ICOM) in Paris wurde der überarbeitete ICOM-Codex der ethischen Richtlinien für Museen mit einer Zustimmung von 85,90 % angenommen. Der neue Codex ist das Ergebnis eines mehrjährigen internationalen Beteiligungsprozesses unter der Leitung des ICOM-Ethikausschusses (ETHCOM). Mitglieder aller 114 nationalen und internationalen ICOM-Komitees, regionalen Verbünde sowie angeschlossenen Organisationen konnten ihre Erfahrungen und Anregungen einbringen.
Orientierung für die Museumsarbeit von heute
Der neue Codex versteht sich als weltweit gültiger ethischer Orientierungsrahmen für Museen. Er unterstützt Museen dabei,
- das kulturelle Erbe zu bewahren und verantwortungsvoll weiterzugeben,
- der Gesellschaft zu dienen und das öffentliche Vertrauen zu stärken,
- Sammlungen nachhaltig und transparent zu verwalten,
- Forschung, Bildung und Teilhabe zu fördern sowie
- verantwortungsvoll auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren.
Besonders hervorzuheben ist, dass der überarbeitete Codex die veränderte Rolle der Museen im 21. Jahrhundert aufgreift. Themen wie digitale Technologien, Nachhaltigkeit, die Klimakrise, gesellschaftliche Teilhabe und ein verantwortungsvoller Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven werden ausdrücklich berücksichtigt.
Der ICOM-Codex und seine Bedeutung für das SÜDBAHN Museum
Auch das SÜDBAHN Museum orientiert sich an den ethischen Grundsätzen des ICOM-Codex. Sie bilden die Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Sammlungen, die wissenschaftliche Forschung sowie die qualitätsvolle Vermittlung der Geschichte der Südbahn und der Semmeringbahn an unsere Besucherinnen und Besucher.
Seit 2008 trägt das SÜDBAHN Museum das Österreichische Museumsgütesiegel und verpflichtet sich damit, die im ICOM-Codex festgelegten Standards in seiner täglichen Museumsarbeit umzusetzen. Für das SÜDBAHN Museum bedeutet diese Verantwortung jedoch noch weit mehr: Als Teil des UNESCO-Welterbes Semmeringbahn und als Eigentümer der denkmalgeschützten ehemaligen Werkstättenhallen sehen wir uns in besonderem Maß verpflichtet, unser kulturelles Erbe zu bewahren, wissenschaftlich zu erforschen und nachhaltig für kommende Generationen zu sichern.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, verfolgt das Team des SÜDBAHN Museums klare Ziele. Diese sind in unserem Museumsleitbild und unserer Forschungsstrategie fest verankert und bilden die Grundlage für eine zukunftsorientierte, verantwortungsvolle Museumsarbeit.
Zentrale Grundsätze des neuen ICOM-Codex
Der neue Codex formuliert unter anderem folgende ethische Leitgedanken:
- Museen handeln im öffentlichen Interesse und übernehmen Verantwortung gegenüber Gesellschaft und kulturellem Erbe.
- Sammlungen werden verantwortungsvoll bewahrt, erforscht und vermittelt, damit sie auch zukünftigen Generationen erhalten bleiben.
- Integrität, Transparenz und Rechenschaftspflicht bilden die Grundlage aller musealen Entscheidungen.
- Museen fördern Bildung, Forschung und den offenen Dialog und schaffen Räume für unterschiedliche Perspektiven.
- Nachhaltigkeit soll bei allen musealen Tätigkeiten mitgedacht werden – sowohl ökologisch als auch sozial und wirtschaftlich.
- Digitale Technologien sind verantwortungsvoll einzusetzen und sollen den Zugang zum kulturellen Erbe erleichtern.