Weltkulturerbe in Österreich

Die Semmeringeisenbahn. Erhalten und Gestalten

Die Semmeringbahn in Österreich gilt als ein Meilenstein der Eisenbahngeschichte. Mit ihrer Eröffnung im Jahr 1854 wurde der Eisenbahnbau auch in einer schroffen Gebirgsregion Wirklichkeit. Angesichts der Errichtung des Semmering-Basistunnels zur Entlastung der historischen Bahnstrecke stellen sich Fragen zu Umgang, Instandhaltung und Weiterentwicklung des heutigen UNESCO-Weltkulturerbes.

Erhalten und Gestalten: Das von der Arbeitsgemeinschaft für das Weltkulturerbe in Österreich erarbeitete Buch versammelt Beiträge aus verschiedenen Disziplinen und bietet einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Aktivitäten beim Umgang mit dieser Gebirgsbahn. Eigens aufgenommene Fotografien von Hertha Hurnaus eröffnen eindrucksvolle Blicke auf die Bahnstrecke, die historischen Bauten und die umgebende Landschaft. (Klappentext)



Das Buch ist im vierten Quartal 2021 im Birkhäuser Verlag erschienen. Es ist der erste Band einer geplanten Publikationsreihe aller Welterbestätten in Österreich.

Der Inhalt

Das umfassende Werk mit gesamt 356 Seiten beginnt mit einem Vorwort von Bundespräsident Dr. Alexander van der Bellen:

„Wenn der Semmering ein "Zauberberg" ist, wie er häufig voll Zuneigung genannt wird, dann ist die Semmeringbahn ohne Zweifel eine Zauberbahn.“;

und weiteren einleitenden Worten der Staatssekretärin Andrea Mayer und den Landeshauptleuten Johanna Mikl-Leitner und Hermann Schützenhöfer.

Der Einleitung folgen 21 Beiträge, welche in vier Themenblöcke gebündelt sind. Die Themenblöcke beleuchten die erste Hochgebirgseisenbahn von den unterschiedlichsten Gesichtspunkten. Abgerundet wird der Band durch ein Fotoessay von Hertha Hurnaus.

Der erste Themenblock befasst sich mit Welterbe – Denkmal – Baukultur. Die Herausgeber Toni Häfliger und Günter Dinhobl steuern hierzu selbst zwei Beiträge bei. Toni Häfliger „Eisenbahnen als Denkmale mit Zukunft. Erhaltung dem technischen Fortschritt verpflichtet.“ Günter Dinhobl (Co-Autor mit Sandra Burger-Metschina und Günter Siegl) „Semmeringbahn: Historisches Inventar und Leitfäden für Bauwerke.“

Es folgen die Themenblöcke

  • Landschaft – Infrastruktur – Kulturlandschaft
  • Erhalten – Planen – Gestalten
  • Vermittlung – Zukunft – Nachhaltigkeit

Einen Artikel, der mich persönlich sehr angesprochen hat, möchte ich nun näher vorstellen.

Blickachsen, Brandschutzstreifen und Signalisierungslinie
Die Landschaft Semmering im steten Prozess der Veränderung

Roland Tusch

Roland Tusch spannt einen inhaltlichen Bogen der permanent im Wandel begriffenen Landschaft mit der Menschheitsgeschichte. Der Veränderung von Naturlandschaft zu Agrikulturlandschaft zur „totalen Landschaft“. Tusch beschreibt den Semmering als geomorphologisch wenig attraktiven Ort für größere land- und forstwirtschaftliche Kulturen. Siedlungen entstanden in Gloggnitz, Schwottwien, Spital und Mürzzuschlag. Das kulturelle Leben entwickelte sich aus den Erfahrungen heraus und weniger durch äußere Einflüsse. Mit dem sich verändernden Landschaftsbewusstsein im frühen 19. Jahrhundert änderte sich auch der Blick auf die Semmeringlandschaft. Fürst Johann I. von Liechtenstein gestaltete seine Besitzungen in den Adlitzgräben als Landschaftsgarten. Noch vor dem Bau der Semmeringbahn erschienen die ersten Reiseführer und lenkten damit den Blick der frühen Touristen auf markante Landmarken, wie der Burg Klamm. Mit der hochleistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur - der Semmeringbahn - erhielt die Semmeringlandschaft erneut neue Impulse. Mit dem Bau von Villen und Grandhotels erhielt die Landschaft eine völlige neue Prägung. Die unter Schutzstellung erfolgte bereits ab der ersten Hälte des 20. Jahhunderts und gipfelte 1998 mit der Aufnahme der Semmeringbahn auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes.

"Der Semmering ist ein Beispiel dafür, dass die Errichtung von Bauten der Verkehrsinfrastruktur nicht als Gefährdung der Landschaft verstanden wurde. Mit technischem Fachwissen, einer intensiven Befassung mit dem Gelände vor Ort und im Bewusstsein, dass jeder Eingriff in die Landschaft eienr kulturellen Verantwortung unterliegt, entstand ein einzigsrtiges Bauwerk der Verkehrsinfrastruktur, das bis heute als bereicherndes Wahrzeichen die Landschaft am Semmering charakterisiert." (S. 163)

Die Herausgeber

Günter Dinhobl, geboren 1968, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Interuniversitären Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Universitäten Klagenfurt, Wien, Innsbruck und Graz, Abteilung Kultur- und Wissenschaftsanalyse (Wien).

Toni Häfliger ist Architekt und Raumplaner, bis 2001 im Kader der Abteilung Hochbau der Schweizerischen Bundesbahnen SBB, zuletzt Stellvertretender Chefarchitekt; bis 2010 Leiter Denkmalpflege SBB; seit 2010 intensive Beschäftigung mit dem Weltkulturerbe Semmeringeisenbahn.

Buchdetails der aktuellen Ausgabe

Herausgeber: Toni Häfliger, Günter Dinhobl
Birkhäuser Verlag GmbH, 11/2021
Einband: Gebunden
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 9783035624540
Umfang: 356 Seiten
Sonstiges: 150 col. ill.
Erscheinungstermin: 8.11.2021
Preis: € 39,00

Resumee

Das vorgestellte Buch liefert einen weitgesteckten und themenübergreifenden Blick auf das Welterbe Semmeringeisenbahn. Manche Beiträge bearbeiten noch wenig besprochene Spannnungsfelder. Großteils jedoch ist es eine Wiederholung von in vorhergehenden Publikationen bereits umfassenden behandelten Themen.