Frauen am Zug

Anlässlich des Weltfrauentages am 08. März schauen wir uns an wie sich die Frauen in der Männerdomäne "Eisenbahn" im Laufe der Geschichte behauptet haben.

Von Beruf Eisenbahnerin

„Die Eisenbahnen sind das Gleichheitszeichen, der nicht beseitigende Hebel des immer wachsenden Sozialismus.“

Die Eisenbahner waren politisch schon sehr früh aktiv und sie spielten in der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung eine erhebliche Rolle. Auch die Beschäftigung von Frauen war für die Eisenbahngesellschaften „kein“ Problem.

Die Eisenbahngesellschaften betrieben eine gut funktionierende Wohlfahrtspolitik. Sie führten Pensionsanstalten und Krankenkassen ein. Auch für die Versorgung der Eisenbahnergattinnen war gesorgt.

Aber die Gleichstellung von Frauen in dieser Männerdomäne musste im Laufe der Jahrhunderte schwer erkämpft werden.

Die Geschichte der Frauen im Eisenbahndienst

Wie begann nun die Geschichte der Frauen bei der Eisenbahn? Wann genau ist nicht mehr völlig rekonstruierbar. Jedoch spätestens ab 1877 gab es drei Gruppen von weiblichen Bediensteten:

  • Die Angestellte,
  • die mithelfende Familienangehörige
  • und die Arbeiterin.

Frauenberufe waren im Telegrafen-, Telefon- und Kassadienst, Bahn- und Weichenwächter und Bahnschrankendienst. Vor allem Witwen von Eisenbahnbeamten und weibliche Familienmitglieder wurden beschäftigt. 1894 arbeiteten 91.077 männliche Angestellte und 1.227 weibliche für die Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Südbahn beschäftigte davon 79 Frauen. Die erste Stationschefin der k.u.k. Monarchie war die gebürtige Wienerin Mitzi Horak, die 1902 ihren Dienst bei der Bozen-Meraner Bahn in Südtirol aufnahm. Der Lohn einer Beamtin betrug zwischen 25 und 60fl. monatlich, für Schrankenwärterinnen zwischen 5 und 10fl. (Männer zwischen 24 und 375fl.)
Frauen hatten keinen Anspruch auf Pensionen. Jedoch richteten manche Eisenbahngesellschaften, so auch die Südbahn, Sparfonds für die Frauen ein. Hier wurde den Beamtinnen, im Falle von Dienstunfähigkeit jährlich eine Gnadengabe in Aussicht gestellt.

Während der beiden Weltkriege wurden Arbeitskräfte dringend benötigt. Vermehrt wurden nun Frauen für diverse Dienste aufgenommen. Niedere Dienste wie Lok- und Wagenputzerinnen, aber auch Schaffnerinnen, Schrankenwärterinnen, Sekretärinnen und Fahrdienstleiterinnen, Telefonistinnen und Fernschreiberinnen. Der Beruf der Lokführerin war aber noch ein Tabu.

Ab den 1980er Jahren begann langsam ein Umdenken innerhalb der Männerdomäne Eisenbahn. Die erste weibliche Triebfahrzeugführerin bei den ÖBB wurde erst 2000 aufgenommen. 2003 waren bei den ÖBB 44 Zugbegleiterinnen, 131 Fahrdienstleiterinnen und zwei Triebfahrzeugführerinnen sowie zwei Buslenkerinnen beschäftigt. Eine Studie der UNI Graz aus dem Jahr 2003 zum Thema der Chancengleichheit und der fairen Zusammenarbeit von Frauen und Männern innerhalb ÖBB stellten noch ein eher düsteres Bild dar.

Und Heute...

Heute hat sich die Situation weiter geändert. Programme mit Schülerinnen und Frauen sollen die verschiedenen Berufsspaten für sie öffnen und interessant machen.
Jaqueline Polleres ist seit 2021 Triebfahrzeugführerin und in Mürzzuschlag stationiert. Gemeinsam mit dem Triebfahrzeugführer Hermann Stögerer entstanden Videos zur Erklärung der Technik einer E-Lok 1042. Die Freude an ihrem Beruf und das Interesse an der Technik waren Ausschlag für ihre Teilnahme. Die Videos werden ab Juni in unserer Museumsapp – der MürzAPP – zu sehen sein!

Frauen führen das SÜDBAHN Museum in Mürzzuschlag

Auch das SÜDBAHN Museum wird hauptamtlich zu 100% von Frauen geführt. Männer spielen im Bereich der Kulturvermittlung und des Ehrenamtes unseres Museumsvereines eine wichtige Rolle.